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Unterstützung von negativ Betroffenen

6. Februar 2026

Auffangen

Hochschullehrende sollten im Umgang mit Personen, die von Rassismus oder anderer Diskriminierung negativ betroffen sind, vor allem empathisch reagieren. Ein wesentlicher Bestandteil dieses empathischen Vorgehens ist es, dass Sie sich mithilfe der vorherigen Abschnitte Ihren eigenen Sichtweisen, Denkstilen und Gewohnheiten bewusst werden.

Zunächst ist es wichtig, dass Sie als Lehrende*r die Erfahrungen der betroffenen Person ernst nehmen. Relativieren Sie keineswegs die individuellen Erfahrungen und fragen Sie proaktiv nach Belastungen ohne dabei Betroffene zu drängen. Dies bedeutet, dass Sie die Gefühle und persönlichen Bedeutungen, die die Person ihren Erfahrungen beimisst, wahrnehmen und ihr das mitteilen. Es geht darum, bewusst Schutzräume zu schaffen und die emotionale Last zu erkennen, die diese Studierenden in akademischen Räumen tragen.

Es geht darum, die emotionalen Zustände der betroffenen Person möglichst unvoreingenommen zu erfassen. Deshalb ist es hilfreich, sowohl Ihre affektive Empathie (das Teilen der Emotionen der anderen Person) als auch Ihre kognitive Empathie (die Fähigkeit, die Emotionen der anderen Person zu verstehen) zu zeigen. Dabei ist sehr wichtig, dass Sie sich Ihrer eigenen Positionierung entlang der verschiedenen Diskriminierungskategorien (z.B. Race, Class, Gender) aktiv mitbedenken.

Stellen Sie sich vor, dass Sie in Ihrem Kurs wahrnehmen, dass eine Person einen rassistischen Kommentar macht, was eine andere Person sichtbar betroffen macht. Wie könnten Sie vorgehen?

Der Ansatz der „Gewaltfreien Kommunikation“ nach Rosenberg (2016) kann Sie dabei unterstützen:

  1. Aktives Zuhören: Geben Sie der betroffenen Person Raum, die Situation zu schildern, ohne Unterbrechungen oder vorschnelle Ratschläge.

  2. Anteilnahme: Signalisieren Sie durch Ihre Haltung und Reaktion echtes Verständnis.

  3. Abwarten: Warten Sie ab, bis die Person sich sichtlich entspannt, bevor Sie selbst etwas einbringen.

  4. Beobachtung: Beschreiben Sie Ihre Perspektive auf die Situation möglichst wertfrei, ohne Verallgemeinerungen oder Beschuldigungen.

  5. Gefühle: Teilen Sie Ihre Gefühle (z.B. Sorge, Betroffenheit), ohne die Gefühle der anderen Person zu interpretieren.

  6. Bedürfnisse: Benennen Sie universelle Bedürfnisse (z.B. Sicherheit, Wertschätzung, Respekt, Gerechtigkeit) die verletzt wurden.

  7. Bitte: Formulieren Sie eine konkrete Bitte, um zu verdeutlichen, was Sie tun möchten. Wichtig ist, dass Sie die betroffene Person aktiv nach ihren Bedürfnissen fragen und ihr die Entscheidungsmacht über die Art der Unterstützung überlassen.

Video-Tipp: Psychische Folgen von Rassismus

 

Hochschulgruppen

Darüber hinaus sollten Sie als Lehrende*r auf Netzwerke und Peer-Support-Systeme verweisen und selbst zurückgreifen. Hochschulgruppen sind von entscheidender Bedeutung für rassismuskritische Arbeit, insbesondere hinsichtlich des psychischen Wohlbefindens von negativ von Diskriminierung betroffenen Menschen. Diese Unterstützungsstrukturen bieten emotionale und praktische Hilfe, und fördern ein Gefühl der Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Diese können es von Diskriminierung betroffenen Studierenden ermöglichen, Erfahrungen in sichereren Räumen auszutauschen und Unterstützung zu finden.

Peer-Support-Systeme dienen als Safer Space für emotionale Unterstützung und Verarbeitung von Erfahrungen, wobei soziale Unterstützung und der Austausch mit Personen mit ähnlichen Erfahrungen als Bewältigungsstrategien wirken und psychische Auswirkungen mildern können. Diese Netzwerke stärken die Resilienz gegenüber Diskriminierung, indem sie individuelle mentale Gesundheit fördern, und kollektive Lösungen und strukturelle Probleme aufzeigen. Weiterhin fördern sie Aktivismus und Gemeinschaftsbildung, da Personen in solchen Netzwerken eher an aktivistischen Initiativen teilnehmen, um gegen Rassismus tätig zu werden. Zudem tragen sie zur kollektiven Identitätsbildung bei, was das Gefühl der Isolation mindert und das Empowerment der Betroffenen unterstützt. Schließlich schaffen diese Netzwerke ein Bewusstsein für strukturelle Probleme von Rassismus, indem sie Diskussionen fördern und ein tieferes Verständnis gesellschaftlicher Diskriminierungsmechanismen ermöglichen, was kollektive Lösungen und eine Verringerung negativer Auswirkungen auf das Wohlbefinden bewirkt. Machen Sie in Ihrer Lehre und Beratung also gerne auf entsprechende Stellen und Gruppen an Ihrer Hochschule aufmerksam.

Autor*in

  • Teodor Negrea, (alle Pronomen; genderfluid), Student*in an der Universität Leipzig im Masterstudiengang Begabungsforschung und Kompetenzentwicklung. Arbeitet momentan an der Masterarbeit mit dem Thema „Empowerment-Workshops zur Förderung rassismuskritischer Kompetenz für Lehramtsstudierende mit eigenen Rassismuserfahrungen“. Seit 2025 freiberufliche*r Referent*in zu Rassismus im Bildungssystem.

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