Auswertungs- und Darstellungsmethoden
Videos können nicht nur Ergebnisse illustrieren, sondern selbst analytische Werkzeuge sein. Dementsprechend lassen sich grundlegend zwei unterschiedliche, aber dennoch miteinander verzahnte Herangehensweisen unterscheiden: Videos als Datenquelle (Auswertung) und Videos als Erkenntnisinstrument (Darstellung) (Sommerlad & Hummel 2024: 125).
Montage, Bildauswahl und Schnitt sind daher mehr als technische Schritte: Sie sind reflektierte Entscheidungen, die Erkenntnis generieren. Hierfür wird vor allem entsprechende Software benötigt wie beispielsweise das Open-Source Videoschnittprogramm DaVinci Resolve (siehe Kap. 7 „Technische Voraussetzungen und Beschaffungen“).
Videos als Daten
Hier wird das Videomaterial ähnlich wie ein Text behandelt und systematisch ausgewertet:
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Sequenzanalyse: Feinanalytische Betrachtung nach ethnografischen Kriterien (Blickrichtungen, Interaktionen).
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Codierung: Nutzung von Software (QualCoder, MAXQDA), um visuelle Elemente systematisch zu verschlagworten.
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Vergleichende Analyse: Gegenüberstellung unterschiedlicher Orte oder Zeitpunkte zur Identifikation von Mustern.
Videos als Darstellung
Videos als Darstellung (s. Abb. 8): In dieser Herangehensweise rückt die Vermittlung von Geographien in den Fokus. Davies et al. (2019) empfehlen für eine effektive Kommunikation Zugangspunkte zu Rezipierenden, wobei Videos beziehungsweise Filme diese besonders nachhaltig bedienen können (Layer 2025b: 42):
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Scientific Storytelling: Um diese komplexen Eindrücke verständlich zu machen, bedarf es einer narrativen Struktur. Storytelling fungiert hier als „Übersetzungsleistung“ (Martinez-Conde & Macknik 2017): Rohdaten werden so montiert, dass sie Argumente stützen und für ein Publikum (auch außerhalb der Universität) zugänglich werden.
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Film fungiert als Medium über die Zugangspunkte Fiktion, Identifikation, Emotion und Erlebbarkeit zu den Rezipierenden
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Multisensorische Vermittlung: Durch das Zusammenspiel von Bild und Ton (Soundscapes, Stimmen, Geräusche) wird der Raum nicht nur beschrieben, sondern in seiner Atmosphäre reproduziert.
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Immersive und affektive Wirkung auf die Rezipierenden: Videoaufnahmen ermöglichen, wissenschaftliche Erkenntnisse kognitiv sowie verkörpert und emotional erfahrbar zu machen. Rezipierende spüren die Enge, die Hektik oder die Ruhe eines Ortes.
Um dieses narrative Verständnis praktisch anwendbar zu machen, erlernen Studierende die Erstellung von Storyboards. Wie Abb. 9 verdeutlicht, dient dieses visuelle Skript dazu, die theoretische Argumentation bereits vor dem Dreh in konkrete Bild-Ton-Sequenzen zu übersetzen und die Dramaturgie planbar zu machen.
Abb. 9 Storytelling als Research Design videographischer Forschung. Eigene Darstellung.