Einbettung in die Lehre

Videographie ermöglicht es Ihnen als Lehrperson, theoretisches Wissen und praktisch angewandte Forschung besonders eng miteinander zu verknüpfen:

  • Sehen & Wahrnehmen – Sensibilisierung für räumliche Situationen, Atmosphären, Körpersprachen, Rhythmen.

  • Handeln & Produzieren – Studierende erzeugen eigene Sichtbarkeiten und greifen aktiv in räumliche Situationen ein.

  • Analysieren & Reflektieren – Reflexion eigener visueller Entscheidungen (Framing, Ausschnitt, Montage).

  • Theoretisieren – Verbindung mit Konzepten wie Raumproduktion, Praktiken, Visualität, Repräsentation.

Damit ermöglicht Videographie eine besonders enge Verzahnung von theoretischem Wissen und praktisch angewandter Forschung; ein Kernanliegen transformativer Hochschullehre (vgl. Nöthen 2025).

Die Integration videographischer Methoden in die geographische Lehre eröffnet Studierenden einen forschungsorientierten Zugang zu Raum, Gesellschaft und Alltagspraktiken. Videographie lässt sich dabei nicht als isoliertes Spezialthema behandeln, sondern entfaltet ihr Potenzial insbesondere dann, wenn sie in größere didaktische und epistemische Zusammenhänge eingebettet wird. Sie können Videographie ideal in Module einbinden, die qualitative Methoden vermitteln oder forschungsorientiertes Lernen fördern. Im Bachelorstudium eignet sich dies besonders in der zweiten Hälfte des Studiums, wenn Studierende bereits grundlegende methodische Kenntnisse erworben haben.

Da videographische Forschung technische, gestalterische und kommunikative Elemente vereint, befindet sie sich im Spannungsfeld zwischen methodischer Systematik und kreativer Offenheit. Deshalb sollten Sie Lehrformate wählen, die genug Raum für projektorientiertes Arbeiten, praktisches Ausprobieren, Reflexion und methodologische Diskussion bieten. Hierzu eignen sich aus unserer Sicht besonders Blockseminare und Kompaktformate, da diese eine konzentrierte Methodenvermittlung und direkt anschließende Feldübungen ermöglichen. Darüber hinaus sind auch größer angelegte begleitete Projektstudien sinnvoll.

Für Ihre Seminarplanung empfiehlt sich eine Strukturierung in die drei Phasen Konzeption, Produktion und Post-Produktion. Entscheidend für den Lernerfolg ist das vollständige Durchlaufen dieses Zyklus, da sich die Phasen gegenseitig bedingen:

  • In der Konzeption (pre-production) werden geographische Fragestellungen in visuelle Skripte übersetzt.

  • Die Produktion verknüpft die technische Anwendung im Feld unmittelbar mit sozialen und ethischen Aushandlungsprozessen.

  • In der Post-Produktion wird der Schnitt nicht als technischer Abschluss, sondern als analytischer Prozess der Wissenskonstruktion begriffen.

Erst dieser Gesamtdurchlauf ermöglicht ein Editing Thinking: Die Erfahrung im Schnittraum schärft den Blick für die Aufnahme. Studierende lernen so, das analytische Ergebnis bereits bei der Planung mitzudenken, wodurch isolierte Kompetenzen in eine integrierte Forschungspraxis überführt werden.

Auch interdisziplinäre Workshops, bspw. Kooperationen zwischen Geographie, Kunst, Soziologie oder Medienwissenschaften bieten sich an.

Für die praktische Umsetzung videographischer Lehre sind einige Stellschrauben besonders entscheidend. Die folgende Checkliste (Tab. 1) bündelt die Punkte, die sich in der Seminarplanung und Durchführung als besonders wirksam erwiesen haben und die häufigsten Stolpersteine früh adressieren, auf welche im folgenden Beitrag konkret eingegangen werden.

Tab. 1 Checkliste für die praktische Umsetzung videographischer Lehre. Eigene Darstellung.

 

Checkpunkt

Leitfrage für die Seminarplanung

 

Lernziele

Sind die Lernziele (Analyse, Reflexion, Storytelling, Ethik, Technik) klar benannt und priorisiert?

 

Projektumfang

Ist der Umfang realistisch begrenzt (z. B. ein- bis dreiminütiges Video, klare Zwischenabgaben)?

 

Ethik & Datenschutz

Sind Einwilligungen, Anonymisierung sowie Speicher- und Zugriffsregeln vor der Feldphase verbindlich geklärt?

 

Datenmanagement

Gibt es eine einheitliche Ordnerstruktur, Dateibenennung und Backup-Routine für alle Gruppen?

 

Medientraining

Ist ein kompakter Baustein zu Kamera, Ton und Interviewführung eingeplant (inkl. kurzer Übungs- und Feedbackphase)?

 

Post-Produktion

Ist mindestens eine betreute Sitzung vorgesehen, in der Schnitt/Montage als analytischer Prozess reflektiert wird?

 

Prozessreflexion

Ist eine laufende Dokumentation (Logbuch/ePortfolio) mit kurzen Reflexionsprompts verbindlich verankert?

 

Bewertung

Sind die Kriterien transparent kommuniziert und auf wissenschaftliche Einbettung, Nachvollziehbarkeit und ethische Sorgfalt ausgerichtet?

Autor*innen

  • Markus Gornik, Freier Projektmanager, studierte Germanistik und Geographie und promoviert aktuell an der Ruhr-Universität Bochum zum Thema Kooperative Stadtentwicklung.
  • Ole-Kristian Heyer, Studierte Freie Kunst mit Schwerpunkt Fotografie / Medien an der fadbk in Essen und Geografie mit Schwerpunkt Kartografie / Raumwahrnehmung an der Ruhr-Universität Bochum.
  • Yannick Noah Layer, Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Humangeographie an der Universität Freiburg

Stand: