Prüfung: E-Portfolio
Das ePortfolio stellt eine besonders geeignete Prüfungsform für die Einbettung videographischer Methoden in die geographische Lehre dar. Es verbindet reflexives, forschungsorientiertes Lernen mit der Möglichkeit, audiovisuelle Daten, methodische Entscheidungen, Analyseprozesse und eigene Lernfortschritte sichtbar und nachvollziehbar zu machen. Anders als klassische Prüfungsformate (Klausur, Hausarbeit, Referat) bildet das ePortfolio den gesamten Forschungsprozess ab und nicht nur sein Ergebnis.
Im Kontext der Lehrveranstaltung „Video(geo)graphie: Einführung in die audio-visuellen Methoden der qualitativen Raumforschung (B.A./B.Sc. Geographie) im WiSe 2023/2024 ist das ePortfolio ausdrücklich als wissenschaftlich-reflexive Prüfungsleistung genutzt worden. Im Kontext der genannten Lehrveranstaltung erstellten die Studierenden pro Gruppe (bestehend aus drei bis fünf Studierenden) gemeinschaftlich je ein ePortfolio. Das haben wir Lehrenden als gemeinsame Prüfungsleistung mit einer Gesamtnote bewertet. Der Umfang des Textanteils betrug 2.500 bis 3.000 Wörter. Vorgesehen waren ein Coverbild, sechs Fotografien sowie zwei bis drei Videos von jeweils ein bis drei Minuten Länge. Formale Besonderheiten sind der Verzicht auf Seitenzahlen und ein Inhaltsverzeichnis. Die obligatorische Angabe von Literatur und Quellen blieb bestehen. Bewertet wurde vor allem die inhaltliche Qualität und die wissenschaftliche Einbettung; die technische Videoproduktion selbst floss nicht in die Bewertung ein. Als Plattform nutzten wir Mahara, ein webbasiertes Open-Source-System für ePortfolios. Potenziell können ePortfolios auch in Einzelarbeit erstellt werden, aufgrund des sowieso hohen Lern- und Arbeitsaufwands von Studierenden im Rahmen videographischer Methoden würden wir aber davon abraten. Weitere Informationen zu ePortfolios als Prüfungsleistung können dem LEHRELADEN Artikel von Steffen et al. 2021 entnommen werden.
In videographischen Lehrformaten können wiederkehrende Herausforderungen auftreten, die sich didaktisch jedoch gut abfedern lassen. Erstens kann die kreative Offenheit zu Unsicherheit führen („Was ist ein gutes Ergebnis?“). Hier helfen kleine, verbindliche Zwischenabgaben (Storyboard, Rohschnitt, Analyse-Memo), die durch kurzes individuelles Feedback gerahmt werden, sowie eine klare Kommunikation der Anforderungen und Bewertungslogik. Zweitens entsteht schnell ein hoher Workload durch parallele Anforderungen (Feldarbeit, Techniklernen, Schnitt, Reflexion). Begrenzen Sie daher bewusst Länge und Anzahl der Clips und priorisieren Sie Analyse- und Reflexionsqualität. Drittens werden Ethik und Datenschutz oft unterschätzt, wenn sie erst nebenbei laufen. Setzen Sie diese Punkte früh als Pflichtbaustein (Einwilligung, Datensicherung, Anonymisierung) und koppeln Sie sie an konkrete Entscheidungen im Projektverlauf. Bei videographischen Prüfungsleistungen ist es entscheidend, Qualität nicht über ästhetische oder technische Perfektion zu definieren, sondern über wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit, reflexive Methodenanwendung und theoretische Einbettung. Der Filmanteil wird damit nicht als künstlerische Kür, sondern als Bestandteil eines argumentativen Erkenntnisprozesses verstanden. Bewertungsrubriken (Tab. 2) macht diese Kriterien transparent, erleichtert die Orientierung im Projektverlauf und unterstützt sowohl Selbst- als auch Peer-Feedback.
Tab. 2 Bewertungsrubriken für Prüfungsleistungen mit videographischem Anteil. Eigene Darstellung.
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Checkpunkt |
Leitfrage für die Seminarplanung |
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Forschungsfrage & theoretische Einbettung |
Ist die Fragestellung präzise und mit geographischen Konzepten verknüpft (z. B. Raumproduktion, Alltagspraktiken, Governance, Affordanzen)? Werden zentrale Begriffe nachvollziehbar genutzt? |
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Methodisches Design & Feldzugang |
Werden Erhebungssetting, Sampling/Feldzugang und Vorgehen plausibel beschrieben? Ist begründet, warum videographische Erhebung hier angemessen ist? |
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Analyse & Interpretation |
Werden Sequenzen systematisch ausgewertet (z. B. Sequenzanalyse, Codierung, Vergleich) und Interpretationen argumentativ gestützt? |
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Reflexion filmischer Entscheidungen |
Werden Framing, Perspektive, Ton, Montage/Schnitt als analytische Entscheidungen reflektiert (inkl. Auslassungen/Selektivität)? |
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Ethik & Datenschutz |
Sind Einwilligungen, Datensicherheit, Anonymisierung und situative Abwägungen dokumentiert? Werden Risiken und Grenzen offen benannt? |
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Kohärenz von Darstellung & Argument |
Unterstützen Video, Bilder und Text die Argumentation konsistent? Sind Materialauswahl und Storyline nachvollziehbar und zielgruppenorientiert? |