Technik

Videographische Lehre erfordert ein technisches Setting, das den Studierenden den Zugang zu grundlegenden Aufnahmetechniken und die Möglichkeit zur experimentellen Vertiefung bietet. Entscheidend ist dabei weniger eine hochprofessionelle Ausrüstung als vielmehr ein reflektierter Umgang mit den verfügbaren Geräten. Miggelbrink et al. (2025: 11ff.) betonen, dass Visualisierungsprozesse immer sozio-technisch geprägt sind und sich Qualität und Erkenntnispotenzial visuell erzeugter Daten nicht allein aus der technischen Perfektion ergeben, sondern vor allem aus ihrem reflexiven Einsatz. Hierzu ist es notwendig, dass Sie als Lehrende*r technische Grundlagen explizit vermitteln und zugleich Raum für eine kreative, experimentelle Nutzung einfacher (Smartphones) wie komplexerer Geräte (Videokameras) schaffen.

Für die Teilnahme an videographischen Übungen reicht in vielen Fällen bereits die Alltagsausrüstung der Studierenden – Smartphones:

  • Hochauflösende Videoaufnahme (1080p oder 4K)

  • Automatische oder manuelle Belichtungs- und Fokussteuerung

  • integriertes Mikrofon (für einfache Settings ausreichend)

Smartphones eignen sich insbesondere für:

  • explorative Feldaufnahmen,

  • kurze Interviews,

  • dokumentarische Sequenzen,

  • atmosphärische und ortsbezogene Beobachtungen.

Die unmittelbare Verfügbarkeit senkt Einstiegshürden und fördert multimodale Lernprozesse.

Für anspruchsvollere Sequenzen, bspw. etwa für eine bessere Audioqualität in Interviews oder für dynamische Kamerabewegungen, bieten sich professionelle Videokameras an. Im Idealfall haben Sie an Ihrer Universität ein Medientechnikzentrum ansässig, über das Sie kostenlos die entsprechende Videotechnik beziehen können. Hinweis: An der RUB können Sie passende Geräte über IT.Services beziehen. Andernfalls müssten Sie, bspw. über das Institut, an dem Sie beschäftigt sind, die notwendigen technischen Geräte bei einer externen Videotechnikfirma kostenpflichtig ausleihen.

Typische Erweiterungskomponenten sind:

Audio: Gute Tonqualität ist insbesondere bei Interviews entscheidend, da Geräuschkulissen im Feld (Straßenverkehr, Wind, Stimmen) schnell störend wirken.

  • Richtmikrofone (shotgun mics)

  • Lavaliermikrofone (Ansteckmikrofone für Interviews)

  • Audiorecorder (z. B. Zoom H1/H4)

Bild: Diese Geräte ermöglichen differenziertere Bildkompositionen und eignen sich für analytische Zwecke (z. B. Vergleich von Distanzen, Tiefenwahrnehmung, räumlichen Interaktionen).

  • Kompaktkameras oder spiegellose Kameras (größere Sensoren, höhere Bildtiefe, bessere Low-Light-Performance)

  • Stative für stabile Einstellungen

  • Gimbals/Handheld-Stabilizer für ruhige Bewegungsaufnahmen

  • Wechselobjektive (Weitwinkel, Normal, Tele)

Licht: Lichtgestaltung ist vor allem bei Innenaufnahmen oder Interviews essenziell.

  • Mobile LED-Panels

  • Reflektoren

  • Diffusoren

Software für Auswertung und Schnitt sind entweder auf den Notebooks der Studierenden zu installieren oder über die universitäre Infrastruktur (Computer-Pools) zur Verfügung zu stellen. Typische Softwareumgebungen umfassen:

  • DaVinci Resolve (kostenlos, professioneller Standard)

  • Adobe Premiere Pro (falls Lizenzen vorhanden)

  • Final Cut Pro (Mac-basierte Arbeitsplätze)

  • Shotcut oder OpenShot (Open-Source-Varianten)

Für die visuelle Analyse (Sequenzanalysen, Annotationen, Codierung) eignen sich:

  • MAXQDA (Audio/Video-Analyse-Module)

  • QualCoder (Open source)

Diese Tools ermöglichen die Integration von Transkripten, Codes, Metadaten und visuellen Annotationen.

Autor*innen

  • Markus Gornik, Freier Projektmanager, studierte Germanistik und Geographie und promoviert aktuell an der Ruhr-Universität Bochum zum Thema Kooperative Stadtentwicklung.
  • Ole-Kristian Heyer, Studierte Freie Kunst mit Schwerpunkt Fotografie / Medien an der fadbk in Essen und Geografie mit Schwerpunkt Kartografie / Raumwahrnehmung an der Ruhr-Universität Bochum.
  • Yannick Noah Layer, Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Humangeographie an der Universität Freiburg

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