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Teil 1: Was ist Service Learning?

19. März 2026

Service Learning zielt auf studentisches Lernen und Unterstützung des Gemeinwohls gleichermaßen (Furco 2003). Zu diesem Zweck integriert SL praktische Handlungserfahrungen im gemeinnützigen Kontext in die akademische Lehre und lässt sich als Lernen (Academic Learning) im bzw. am gesellschaftlichen Engagement und gesellschaftliches Engagement (Community Service) mit Lernprozessen (vgl. Minor 2002) beschreiben.

Die Idee des Service Learning lässt sich in jedem Fach und Studiengang umsetzen und Sie können damit beinahe jeden Bereich des gesellschaftlichen Zusammenlebens adressieren – von gesellschaftlichen Werten über Diversität, Soziales, Sport, Gesundheit, Umwelt- und Naturschutz, Religionsgemeinschaften bis hin zu Demokratieförderung, Bürgerbeteiligungsprozessen und politischem Engagement. In Folge kann Service Learning ganz unterschiedliche Formen annehmen. Beispiele für Service Learning-Projekte sind:

  • Die Entwicklung und Durchführung von Workshops, wie z.B. Bewerbungstrainings für Geflüchtete, Konfliktlösungstraining für Grundschüler*innen, Teambuilding für Inklusionshelfer*innen durch Studierende der Pädagogik (Arend-Steinbach 2016),

  • Erhebungen zu medizinischen Versorgungsbedarfen illegaler Migrant*innen durch Master-Studierende des Medizinmanagements (Biermann, Weschenfelder & Mostardt 2016),

  • Die Entwicklung von Öffentlichkeitsarbeitsmaterial für gemeinnützige Organisationen, z.B. Imkerverein Duisburg durch Studierende des Optionalbereichs (Hagemus-Becker & Altenschmidt 2019),

  • Philosophische Gespräche z.B. mit Inhaftierten, ehem. Drogenabhängigen oder Senior*innen durch Lehramtsstudierende der Philosophie (Albus & Altenschmidt 2014),

  • Die Entwicklung von Werkzeugen zur Zufriedenheitsbefragungen in sog. „Drückräumen“ für Drogenabhängige durch BA-Studierende der Sozialen Arbeit (Miller, Weingarten & Filetti 2009),

  • Die Entwicklung von Prototypen von Navigations-Apps für Sehbehinderte durch Studierende der Wirtschaftsinformatik (Beul 2009),

  • Die Erarbeitung von Vorschlägen für die Verbraucherzentrale Bochum, um mehr Privathaushalte von der Nutzung von Leitungswasser statt Mineralwasser zu überzeugen, durch Studierende der Optionalbereiche (Creative Lab Ruhr der RUB und der UDE).

Den didaktischen Schlüssel bietet ein spezialisiertes, in die Lehrveranstaltung integriertes, real situiertes Setting, in dem Ihre Studierenden an praktischen Erfahrungen lernen und sie dann gemeinsam mit Ihnen reflektieren und mit wissenschaftlichen Inhalten verknüpfen. Ein Service Learning Seminar an Hochschulen benötigt deshalb mindestens drei Bestandteile: 1) Wissenschaftsbezogene Wissensvermittlung, 2) Engagementausübung und 3) Reflexion.

Für Service Learning ist bezeichnend, dass es aus methodischer Sicht grundsätzlich eine Variante erfahrungsbasierten Lernens darstellt, damit aber nicht ausreichend beschrieben ist. Service Learning definiert sich primär über die Verknüpfung einer didaktischen mit einer aktivistischen Zielsetzung, weniger über einen spezifischen methodisch-didaktischen Ansatz. Dies erklärt die empirisch auffindbare Vielzahl von Definitionen, die breite Anschlussfähigkeit an auch hochschul- und sozialpolitische Diskussionen, die bemerkenswerte Möglichkeit zur didaktischen Variation und die Abgrenzbarkeit zu methodisch verwandten Konzepten wie Problem-based Learning, Project-based Learning und insbes. Challenge-based Learning. Auch das historisch später und mit speziellem Bezug zu den weit gefassten Sustainable Development Goals (SDG) entwickelte Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) kann man insofern entweder als thematischen Sonderfall von Service Learning betrachten oder gleichsam umgekehrt SL als methodischen Ansatz für BNE begreifen.

Aus didaktischer Sicht lässt sich Service Learning als konstruktivistische Lehrmethode kennzeichnen, weil es „Authentizität der Problemstellung, Komplexität des Inhalts, Situiertheit, Selbstständigkeit des Lernens und gemeinsames Tun beinhaltet“ (Hofer & Derkau 2020: 13).

Situiertheit von Service und Learning

Service Learning setzt bei den Erfordernissen der Fachlehre genauso wie bei einem wirklichen, greifbaren gesellschaftlichen Problem bzw. Bedarf an. Service Learning muss Lernen und Engagieren ermöglichen und verbinden, damit Sie einen Mehrwert erzielen. Ein pures Nebeneinander, bei dem die fachlichen Lehrziele nicht mit dem Engagement der Studierenden verknüpft werden, ist nicht zielführend. Ihre Veranstaltung braucht deshalb Raum und Zeit für akademische Lehrinhalte, praktische Erfahrungen Ihrer Studierenden und für deren Reflexion. Wie Sie Service Learning-Lehre konzipieren lesen Sie in Teil 2.

Komplexität und Selbstständigkeit des Lernens

Theorie-/Praxis-Verbindung, Erfahrungslernen, Kooperationen und Werteebene: Service Learning ist auch für Sie als Lehrende*r ein einigermaßen komplexes Unterfangen. Mit sorgfältiger Vorbereitung, gekonnter Durchführung und den richtigen Tipps ist es aber gut händelbar. Wie Sie Service Learning in Ihrem Lehrhandeln umsetzen können lesen Sie in Teil 3.

Authentizität der Problemstellung und Kooperation

In den meisten Fällen findet das studentische Engagement im SL außerhalb der Hochschule in der Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Partnerorganisationen (Vereine, Verbände, NPO und NGO – sog. Community Partners statt). Das geschieht selten von selbst (auch wenn es sich so organisieren lässt), sondern ist ein eigenständiges Arbeitspaket, das zusätzlich übernommen werden muss. Kooperationspartner*innen haben eine eigene Sicht auf die Kooperation und eigene Ziele, die sie damit verbinden. Wie Sie Service Learning Lehre organisieren lesen Sie in Teil 4.

Engagement für die Zivilgesellschaft bzw. reale gesellschaftliche Belange

Service Learning kann sich nicht davon befreien, gesellschaftliche Schieflagen und Werte zu adressieren – gerade das ist sein Ziel. Für Sie als Lehrende*r ist das möglicher Weise eine Kernmotivation, sich mit Service Learning auseinanderzusetzen und diesen Beitrag zu lesen. Für die Studierenden ist das Wahrnehmen, Beobachten, Reflektieren, Nachdenken, Deuten, kurz: das Reflektieren über sich selbst, Wissenschaft, Gemeinschaft und Gesellschaft eine zentrale Aufgabe im Service Learning. Mehr zur Reflexion mit Studierenden lesen Sie in Teil 5.

Die Idee von Lernen und Engagement

Service Learning können Sie ganz unterschiedlich umsetzen. Abhängig von den Lehr- und Engagementzielen, die Sie mit Service Learning erreichen wollen, bieten sich unterschiedliche Variationen an, insbesondere im Ablauf und in der Engagementart -und leistung. Wie Sie Service Learning umsetzen können, lesen Sie in Teil 6.

Autor*in

  • Karsten Altenschmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter UNIAKTIV, Institut für wissenschaftliche Schlüsselkompetenzen (IwiS), Universität Duisburg-Essen, Dozent Hochschuldidaktik, freiberuflicher Berater, Trainer, Moderator. Tätigkeitsschwerpunkte: Service Learning, transdisziplinäre Lehre, Campus-Community Partnerschaften; Projektmanagement, Kommunikation und (Pitch)Präsentation, Ideation und Design Thinking., karstenaltenschmidt

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