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Teil 3: Wie kann ich Service Learning im eigenen Lehrhandeln umsetzen?

19. März 2026

In die Mitte des gerade angebotenen Canvas sind die zentralen Tätigkeiten aufgeführt, die Ihr Lehrhandeln im Service Learning kennzeichnen sollten: Lehren, Reflektieren, Coachen, Unterstützen und Wertschätzen.

Abb. 2: Aktivitäten in Service-Projekten. Quelle: eigene Darstellung.


Über die Phasen des Service Learning brauchen die Studierenden Sie als Lehrende*n in ganz unterschiedlichen Kompetenzen. Nicht alle davon gehören zu einer klassischen akademischen Lehrsozialisation. Das Lehren selbst überschreitet im Service Learning die reine Fachlehre. Ausgangspunkt dafür ist die verstärkte Eigenmotivation der Studierenden, die durch ihre aktive Tätigkeit im Engagement und ihr selbstständiges Lernen angeregt werden soll. Ihr Lehrhandeln sollte dies einerseits hervorrufen, andererseits unterstützen. Konkret heißt das: Vertrauen Sie Ihren Studierenden. Geben Sie ihnen die notwendigen Werkzeuge, Methoden und Techniken an die Hand, um auch die herausfordernden Aufgaben und Situationen im Service Learning selbst zu lösen. Dies können Sie einerseits durch einschlägige Techniken (z.B. Gesprächsphasenmodelle, Übungen zur Teamentwicklung u.ä.) tun, andererseits, in dem Sie selbst vorleben, was zu tun ist, und eigene Erfahrungen teilen. Der konstruktivistische Ansatz des Cognitive Apprenticeship nennt das Scaffolding (Reinmann 2022), also: den Studierenden ein Gerüst bauen, das diese dann aber selbst und zunehmend selbstständig besteigen.

Need-to-know-Situationen schaffen

Auf eine besondere Möglichkeit weisen Naevecke und Müller-Naevecke (2018) hin: versuchen Sie, Need-to-know-Situationen zu schaffen, also solche, in denen Ihre Studierenden das akademische Wissen einfordern, weil sie selbst erkennen, dass sie es für die Erfüllung ihrer Service-Aufgabe brauchen. Sollen Studierende z.B. eine Befragung durchführen, bringen Sie sie an den Punkt, zu erkennen, wie wichtig die geeigneten Befragungstechniken und -methoden (z.B. Fragebogengestaltung) dafür sind; und diese dann bei ihnen einfordern.

Coachen

Arbeiten die Studierenden individuell oder in Kleingruppen an ihren Services, werden sie an unterschiedliche Hindernisse stoßen und in verschiedenen Tempi arbeiten. Während der Service-Phase ist ein im weiteren Sinne coachender Lehransatz zentral, bei dem Sie die Studierendengruppen bedarfsgerecht und entlang ihrer aktuellen Bedürfnisse begleiten und beraten. Es ist sinnvoll, die Seminarzeiten deshalb ähnlich zu Sprechstunden zu organisieren, so dass einige Gruppen frei arbeiten, während Sie jeweils eine Arbeitsgruppe beraten können. Als Lehrende*r konkretes und konstruktives Feedback geben zu können, ist deshalb eine grundlegende Fähigkeit im Service Learning.
Fundamental wichtiger Bestandteil Ihres Lehrhandelns ist die Gestaltung und Anleitung zur Reflexion. Sie wird deshalb in einem eigenen Teil (6, s.u.) erläutert.

Wertschätzen und Repräsentieren

Als Bestandteil Ihres Lehrhandelns sollten Sie auch den Umgang mit beteiligten Partnerorganisationen betrachten. Es ist für Studierende wie Community Partner gleichermaßen bereichernd, wenn die Organisationen ihre Aufgabe selbst und vor Ort in der Universität stellen. Manche Lehrenden gehen sogar soweit, die Organisationen ihre Aufgaben vor den Studierenden pitchen zu lassen, also aktiv um die Studierenden zu werben. Die finale Übergabe von Projektergebnissen bzw. ein gemeinsamer Abschluss mit den Partnerorganisationen ist nicht nur ein gelungener Anlass, die Leistung der Studierenden z.B. durch Feedback zu würdigen, sondern kann Ihnen auch wesentliche Hintergrundinformationen über die studentischen Engagements und die Zufriedenheit der Partner*innen ermöglichen. In diesen Situationen ist es wesentlich, dass Sie in angemessenem Umfang auch repräsentieren und einen feierlichen Rahmen bieten.

Unterstützen

In gewisser Hinsicht ist Service Learning also auch für Sie als Lehrende*n ein Projekt mit Einmaligkeitscharakter. Es ist eine hilfreiche Haltung, wenn Sie sich dabei im Sinne eines servant leader (ein Begriff aus dem agilen Projektmanagement) zu begreifen: Ihr Service ist nur mittelbar gesellschaftlich, sondern primär auf das Ermöglichen und Unterstützen selbstständigen studentischen Lernens gerichtet.

Wie kann ich Service Learning prüfen?

Mit Blick auf mögliche Prüfungsformen hilft (wieder einmal) ein gelungenes Constructive Alignment: Klausuren passen zu Service Learning weniger gut. Sinnvoller sind Fachreferate zu gruppenübergreifend relevanten Themen; Essays, in denen über Fortschritte des Lernens, Erkenntnisse und des Service reflektiert wird und/oder Reflexionsberichte, in denen die Studierenden am Ende der Veranstaltung ein Fazit ziehen. Hierbei ist zentral, die eingangs formulierten Lernziele in geeignete Leitfragen zu übersetzen, die die Studierenden in ihren Berichten beantworten sollten.

Beispiel für die Berichtsanforderungen eines überfachlichen SL-Seminars:

  • Ergebnisbericht der Projektarbeit und Bewertung der Projektergebnisse (Innovationsgrad, Umsetzbarkeit, Wirkung, Nachhaltigkeit)
  • Darstellung eigener Anteile an der Projektarbeit, z.B. eigene Recherchen etc.
  • Kontextualisierung der Projektarbeit durch Darstellung, Diskussion und Reflexion
    • (a) der vermittelten Methode
    • (b) der Impulse des Community Partners

Persönliche Reflexion der Projektarbeit in Bezug auf die Lernziele:

  • (a) individuelle Haltung zur Challenge, zur Bedeutung des Projekts für die Zivilgesellschaft, zur Bedeutung des Projekts für gesellschaftliche Herausforderungen /Transformation,
  • (b) Einordnung der disziplinären Zugänge, Entwicklung des eigenen Fachwissens und der eigenen Kompetenzen,
  • (c) eigene Rolle (Verständnis) im Rahmen der Teamarbeit

Autor*in

  • Karsten Altenschmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter UNIAKTIV, Institut für wissenschaftliche Schlüsselkompetenzen (IwiS), Universität Duisburg-Essen, Dozent Hochschuldidaktik, freiberuflicher Berater, Trainer, Moderator. Tätigkeitsschwerpunkte: Service Learning, transdisziplinäre Lehre, Campus-Community Partnerschaften; Projektmanagement, Kommunikation und (Pitch)Präsentation, Ideation und Design Thinking., karstenaltenschmidt

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