Teil 4: Wie kann ich Service Learning organisieren?
Im Service Learning steht zumeist ein bereits organisiertes Engagement (Vereine, Verbände, NPO, NGO) als Proxy für „Gesellschaft“ bzw. „gesellschaftliche Wirkung“. Die Kooperation mit solchen sog. Community Partners (CP) ist deshalb ein zentrales Element, das die Durchführung von Engagements organisatorisch massiv vereinfacht. Eine Zusammenarbeit kann durch eigene Kontakte angebahnt, durch an Hochschulen zunehmend verfügbare Unterstützungsstrukturen (z.B. UNIAKTIV) vermittelt oder auch den Studierenden als Rechercheaufgabe überlassen werden.
Die Entscheidung darüber ist bereits als Teil des didaktischen Settings zu betrachten: Möchten Sie primär die Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeitserfahrung Ihrer Studierenden stärken, können Sie die Suche nach Partner*innen den Studierenden überlassen. Bei begrenztem Veranstaltungsumfang und wenn Sie in der Lehre vor allem mit den konkreten Erfahrungen selbst arbeiten möchten, können Sie bereits vorher Kooperationsorganisationen finden und die Engagementaufgaben mit ihnen vorbesprechen.
Erwartungen klären
Für Sie als Lehrende*n ist die Einbindung externer Kooperationspartner*innen eine eigene kommunikative Aufgabe. Stimmen Sie die wechselseitigen Erwartungen und die beabsichtigte Serviceleistung der Studierenden mit den beteiligten Organisationen klar ab. Dies betrifft insbesondere die Punkte:
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Wechselseitigkeit: Der Erfolg von SL liegt in dem aktiven Bemühen aller Beteiligten, Nutzen für die Organisation bzw. gesellschaftlichen Zusammenhalt zu erzeugen und eine sichere Lernumgebung für die Studierenden zu schaffen. Beides sollte sich die Waage halten.
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Leistung: Die Engagementleistung ist eine eigenverantwortliche Leistung der Studierenden. Sie ist kein Leistungsversprechen und wird nicht zwangsläufig und weder durch Sie, andere Wissenschaftler*innen oder die Hochschule erbracht.
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Lernen: Die Studierenden sollen am und im Engagement mit Studienbezug lernen. Sie sind weder Praktikant*innen noch Fachkräfte.
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Ergebnisse: der Umgang mit den Ergebnissen bzw. evtl. Intellectual Property sollte im allseitigen Interesse im Vorfeld geklärt sein. Dies erfordert erfahrungsgemäß nicht zwingend eine formale Kooperationsvereinbarung.
Wenn Sie den Studierenden den Kontakt selbst überlassen, geben Sie ihnen ein begleitendes Schreiben an die Hand, dass den Seminarkontext allgemeinverständlich erläutert. Gern können Sie sich dazu an folgender Vorlage orientieren: Community Partner Handreichung
Es lohnt sich, wenn Sie sich im Vorfeld auch mit typischen Erwartungen von CP mit Blick auf Nutzen, Mitwirkung und Selbstverständnis auseinandersetzen. Hinweise hierzu liefern Altenschmidt & Arend-Steinbach 2023, Prantl, Hofer & Kais 2023 und Asemissen 2013. Praktische Einsichten zum Thema liefern auch Roth und Hohn (o.J.) in der Schriftenreihe: Bildung durch Verantwortung.