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Bewusstsein und Reflexion

In diesem Abschnitt geht es um Ihre eigene Sensibilisierung für inklusive Hochschullehre und die bewusste Reflexion Ihrer eigenen Haltung und Rolle als Lehrperson. Beide Teilaspekte dienen auch der Reflexion über die Lernprozesse der Studierenden.

1) Sich bewusst sein: „Ich weiß nur wenig über meine Studierenden“ – Diesen Satz teilte uns kürzlich eine Lehrende der RUB mit. Sie verwendet ihn als eine Art Merksatz, den sie sich vor jeder Lehrveranstaltung bewusst macht. Er erinnert sie daran, dass Studierende vielfältig sind und dass Sie als Lehrperson in den meisten Fällen nur wenig über ihre individuellen Hintergründe, Erfahrungen und Bedürfnisse weiß. Dieser Perspektivwechsel schützt davor, vorschnelle Annahmen zu treffen, die unbeabsichtigt zu Exklusion oder Diskriminierung führen können. Bleiben Sie mit Ihren Studierenden im Gespräch, und fragen Sie nach, wenn Sie über etwas irritiert sind.

2) Sich selbst reflektieren: Ein weiterer, wichtiger Schritt hin zu einer inklusiven Lehre, kann Selbstreflexion sein. Nehmen Sie sich daher bewusst Zeit, um Ihre eigene Haltung und Ihr bisheriges Handeln zu erkennen und zu hinterfragen. Folgende Leitfragen können Sie dabei unterstützen:

  • Welche Werte und Überzeugungen prägen meine Lehrphilosophie?
  • Was bedeutet gute Lehre für mich?
  • Welche Methoden und Ansätze setze ich ein, um gute Lehre zu gewährleisten?
  • Was ist meine Haltung dazu, wie Lernen funktioniert?
  • Wie gehe ich mit unterschiedlichen Lernbedürfnissen und -voraussetzungen meiner Studierenden um?
  • Welche Bedeutung hat inklusive Hochschullehre für mich persönlich und für meine Studierenden?
  • Welche Erfahrungen habe ich selbst mit Diskriminierung gemacht und wie haben sie meine Sichtweise auf inklusive Hochschullehre beeinflusst?
  • Welche Herausforderungen und Chancen sehe ich in der Umsetzung inklusiver Lehre?
  • Welche konkreten Maßnahmen ergreife ich, um meine Lehre inklusiver zu gestalten?
  • Welche Möglichkeiten sehe ich, um den Erfolg meiner inklusiven Lehransätze zu evaluieren?
  • Wie hole ich Feedback von meinen Studierenden ein und wie nutze ich es zur Verbesserung meiner Lehre?

 

3) Fortbildung und Coaching in Anspruch nehmen: Verschiedene Weiterbildungs- und Coachingangebote beschäftigen sich mit Themen rund um Haltung, Rolle und Lehrphilosophie. Prüfen Sie an Ihrer Einrichtung, welche Möglichkeiten der Weiterbildung Sie wahrnehmen können. An der RUB gibt es das Hochschuldidaktische Qualifizierungsprogramm (u.a. enthalten ist ein spezieller Kurs „Die Rolle(n) als Lehrende gestalten“).

Zur Reflexion gehört jedoch nicht nur die kritische Auseinandersetzung mit Herausforderungen, sondern auch die Anerkennung dessen, was Sie bereits tun. Vielleicht werden Sie beim Lesen dieses Beitrags feststellen: „Ah, das mache ich ja schon genau so!“ – und das ist gut so. Seien Sie stolz auf Ihre bisherigen Schritte in Richtung inklusiver Lehre und nutzen Sie diese als Motivation, Ihre Lehre im Sinne des Lernens aller weiterzuentwickeln und zu gestalten.

Autor*innen

  • Dr. Astrid Tan, koordiniert das hochschuldidaktische Teilprojekt der Europäischen Universität UNIC für das Zentrum für Wissenschaftsdidaktik der Ruhr-Universität Bochum. Schwerpunkte: Virtual Exchange, Entwicklung von (digitalen) Materialien für Lehrende zum Thema Interkulturelle Lehre. Zuvor wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Inklusive Bildung., astridtan
  • Dr. Robin Matz, Mitarbeiter im Zentrum für Wissenschaftsdidaktik der Ruhr-Universität Bochum. Tätigkeitsschwerpunkte: Hochschuldidaktisches Qualifizierungsprogramm, Betreuung von Studierenden, Beratung zu Lehrkonzepten.

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