Empfehlungen zur Umsetzung von IaH durch Integration von interkulturellem Peer-Learning in der Lehre

Im Folgenden stelle ich einige Vorschläge vor, wie Sie den Ansatz des interkulturellen Peer-Learnings für Ihre Lehre adaptieren können und leite aus den im Rahmen des Buddy-Programms gewonnenen Erfahrungswerten einige Hinweise und Empfehlungen ab.

Um interkulturelles Peer-Learning in kulturell heterogenen Gruppen im Rahmen einer Lehrveranstaltung zu integrieren, muss die kulturelle Diversität der Teilnehmenden zunächst erkennbar werden – Einflüsse aus anderen Kulturen können unmittelbar (wie z.B. bei Bildungsausländer*innen) bestehen, oder mittelbar durch eine Migrationsgeschichte der Familie, durch einen ausländischen Elternteil oder Partner*in oder durch einen längeren Lebensabschnitt im Ausland. Um dies „abzubilden“, besteht eine Möglichkeit darin, zu Beginn der Lehrveranstaltung einmal explizit zu thematisieren, was jede*r „mitbringt“, beispielsweise im Rahmen einer Vorstellungsrunde, in der jede*r Teilnehmer*in auf seinen*ihren kulturellen Hintergrund und Sprachkenntnisse eingeht. Im Buddy-Programm kamen so genannte „soziometrische Übungen“ zum Einsatz, bei denen sich die Personen im Raum wie auf einer Landkarte aufstellen. Alternativ möglich sind Partnerinterviews, bei denen im Anschluss der Interviewpartner vorgestellt wird. Soll der persönliche Hintergrund nicht in der gesamten Gruppe thematisiert werden, können Sie es den Studierenden auftragen, durch Kommunikation untereinander eine*n Studierende*n mit einem anderen als dem eigenen kulturellen Hintergrund ausfindig zu machen – beispielsweise im Rahmen von „Speed-Meetings“, bei denen nach kurzer Zeit der*die Gesprächspartner*in wechseln muss.

Eine alternative Möglichkeit besteht darin, bereits bei der Anmeldung für die Lehrveranstaltung entsprechende Angaben abzufragen und die Peer-Learning-Teams anhand dieser Informationen vorab zusammenzustellen. Allerdings dürften diese personenbezogenen Angaben nur auf freiwilliger Basis erfolgen und der Datenschutz ist hier gegen den Nutzen abzuwägen. Die Team-Zuordnungen können Sie entweder bereits im Voraus oder in der ersten Seminarsitzung bekannt geben. Es ist auch bei einem Vorab-Matching empfehlenswert, bei der ersten Sitzung eine der oben beschriebenen Methoden für ein strukturiertes Kennenlernen der Teams als „Starthilfe“ einzusetzen.

In fortgeschrittenen Phasen, wenn Sie in der Lehrveranstaltung bereits Arbeitsergebnisse diskutieren oder Studierende diese vorstellen sollen, können Sie erwägen, die Zweier-Teams zum Austausch mit anderen in größeren Gruppenstrukturen zusammenzubringen und die Lernpartner dabei ggf. bewusst zu splitten, um eine stärkere „Durchmischung“ zu erreichen. In den Veranstaltungen des Buddy-Programms haben wir dafür verschiedene Gruppenmoderationsmethoden wie Speed-Meeting oder World Café eingesetzt. Sofern es Thema und Fokus der Lehrveranstaltung zulassen, können Sie dabei internationale Unterschiede in wissenschaftlichen Theorien, Ansätzen und Lehr- und Forschungstraditionen explizit thematisieren und den Teilnehmenden Raum geben, ihre eigenen Erfahrungen und ihr Wissen diesbezüglich einzubringen. Im Buddy-Programm hatten die Teilnehmenden beispielsweise Gelegenheit, im Rahmen einer Kurzpräsentation ein selbst gewähltes Thema mit Perspektive auf das Herkunftsland des Internationalen oder jeweils auf beide verschiedenen Herkunftsländer zu erarbeiten und darzustellen.

Bei der Umsetzung von Peer-Learning in 1:1-Teams ist zu bedenken, dass dieser Ansatz naturgemäß eine wechselseitige Abhängigkeit der beiden Lernpartner*innen mit sich bringt. Das impliziert, dass mangelndes Engagement oder gänzliche „Verweigerung“ eines*r Lernpartners*in sich jeweils negativ auf den anderen auswirken und dessen Lernerfolg gefährden kann. In diesem Fall ist eine individuelle Rücksprache und Beratung erforderlich. Im Verlauf des Buddy-Programms stellten diese Fälle jedoch die Ausnahme dar, in der Regel führte ein Gefühl der Verantwortung dem Lernpartner gegenüber eher zu mehr Verbindlichkeit. Ich empfehle außerdem, zu Beginn bestimmte Grundregeln für die Zusammenarbeit aufzustellen, die für alle verbindlich gelten. Im Buddy-Programm haben wir als optionales Instrument zudem ein „Buddy-Agreement“ entwickelt, in dem die Lernpartner individuelle Vereinbarungen treffen konnten.

Aus dem gleichen Grund empfiehlt es sich, benotete Prüfungen unabhängig vom vorangehenden Peer-Learning als Individualleistungen abzunehmen. Unbenotete Leistungskomponenten wie mündliche Präsentationen eignen sich hingegen gut als Bestandteil der Arbeit im Peer-Learning-Team. Die Erfahrung im Buddy-Programm hat gezeigt, dass ein gemeinsames Vorbereiten und Vortragen der Präsentation insbesondere den internationalen Studierenden mehr Sicherheit und Selbstvertrauen vermittelte.