Fazit

Gestalten Sie Lehr- und Lernprozesse nach wissenschaftlich fundierten Ansätzen, deren Wirksamkeit belegt ist.

Hinterfragen Sie Lernweisheiten kritisch, statt sie einfach zu übernehmen, nur weil »es schon immer so gemacht wurde« oder sie gerade im Trend liegen.

Bleiben Sie dran: Evaluieren Sie Ihre Maßnahmen, sammeln Sie Feedback und verbessern Sie kontinuierlich. Wenn Ihre Lehr- und Lernkonzepte die oben genannten Aspekte berücksichtigen, sind Sie bereits ein gutes Stück weiter auf dem Weg zu effektivem, evidenzbasiertem Lehren und Lernen.

Falls Sie die ultimative Checkliste für garantierten Lernerfolg erwartet haben: Es gibt sie nicht. Auch die im Beitrag genannten Punkte sind keine Zauberformel. Lernen ist komplex, und unsere Lernenden, Lernumgebungen, Fachinhalte und Rahmenbedingungen sind zu unterschiedlich, um sie allein durch das Abhaken einer Liste vollständig zu erfassen.

Aber: Wenn Sie

  • Ihre Lernenden und Ihre fachlichen Themen gut kennen und für Ihre Zielgruppe relevante Themen und Probleme bearbeiten
  • klare, messbare Lern- und Kompetenzziele definieren,
  • Lernen als Prozess begreifen,
  • den Transfer sorgfältig planen und
  • sich auf wissenschaftlich fundierte Prinzipien statt auf Lernmythen stützen,

können Sie für Ihr spezifisches Setting passende Methoden und Werkzeuge auswählen.
Hier zählen Ihre Erfahrung sowie Ihre pädagogische Expertise.
Hooray for Science!

 

Verbreitete Lernmythen, die in diesem Beitrag thematisiert wurden:

Was ist der Mythos?

Was sind die Fakten?

Digital Natives sind mit Smartphone, Computer und Internet aufgewachsen. Deshalb bewegen sie sich wie selbstverständlich in der digitalen Welt und sind automatisch kompetent im Umgang mit digitalen Technologien.

Generationenzuschreibungen wie »Digital Natives« sind widerlegt. Digitale Kompetenzen lassen sich nicht am Geburtsjahr festmachen. Sie werden durch Bildung, das soziale Umfeld, Nutzungsgewohnheiten, Zugang zu Technologien und individuelle Motivation geprägt. Irrtum: Gleichsetzung von Mediennutzung mit Medienkompetenz

Präsentationen sind wie Eisberge. Es kommt nicht darauf an, was du sagst, sondern wie du es sagst. Dein Inhalt wirkt zu 7 Prozent, 38 Prozent bewirken Mimik und Gestik und 55 Prozent deine Stimme.

Mehrabian-Mythos
Die dahinterliegende Studie wird falsch interpretiert. Die Zahlen treffen auf Präsentationen und Vorträge nicht zu.

 

Dales Cone (Lernpyramide)
Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde mich erinnern. Lass es mich tun, und ich werde es verstehen (Konfuzius)

Das Zitat stammt nicht von Konfuzius.
Niemand kennt die Quelle der Zahlen.
Die Lernpyramide mit ihren fixen Prozentangaben ist wissenschaftlich nicht haltbar. Kein Lernprozess funktioniert universell – auch nicht »selbst tun« oder »anderen erklären«, wie das Beispiel der »Stillen Post« zeigt

Wir lernen besser, wenn Lernmaterialien auf unseren Lerntyp (visuell, auditiv, haptisch) abgestimmt sind.

Lerntypen sind wissenschaftlich widerlegt. Statt Lerntypen zu adressieren, ist es zielführender, Materialien, Medien und Methoden auf das Lernthema, die Lernziele und die Bedürfnisse Ihrer Lernenden abzustimmen.

Nach der Ebbinghaus-Vergessenskurve gleicht unser Gedächtnis einem Sieb
Nach 20 Minuten haben 40 Prozent von dem, was wir gerade gelernt haben, vergessen. Nach einer Stunde sind es schon 55 Prozent, nach einem Tag 65 Prozent und nach sechs Tagen sind ganze 77 Prozent weg.

Vergessen verläuft nicht nach einem festen Zeitplan. Lernen und Behalten sind komplexe, individuelle Prozesse, die von Faktoren wie Vorwissen, Motivation, Interesse, Bedeutung und sozialer Interaktion abhängen.
Ob wir etwas behalten oder vergessen hängt unter anderem davon ab, wie relevant die Information für uns ist.

Wir haben eine kreative und eine analytische Gehirnhälfte
Je nachdem, welche Gehirnhälfte bei uns dominant ist, sind wir entweder der intuitive, kreative oder der logische, analytische Typ. Diese Gehirnhälften-Dominanz beeinflusst, wie wir lernen und Informationen verarbeiten und auch unsere Talente.

Dass wir aufgrund der Dominanz einer Gehirnhälfte bevorzugt »kreativ« oder »analytisch« denken, ist wissenschaftlich widerlegt. Unsere Gehirnhälften sind vernetzt und arbeiten zusammen. Sowohl Lernen als auch Kreativität sind ganzheitliche Prozesse, die beide Gehirnhälften einbeziehen.

Wir nutzen nur 10 Prozent unseres Gehirns.
Wir können aber lernen, wie wir die restlichen 90 Prozent Kapazität „freischalten“. Genies wie Albert Einstein wussten wie das geht.

Es gibt keine Quelle, die belegt, dass Albert Einstein das jemals gesagt hat.
Wir nutzen unser gesamtes Gehirn und es gibt auch keine geheime Methode, mit der wir ungenutzte Gehirnpotenziale aktivieren und geistige Superkräfte freischalten können.
ABER: wir können unser Gehirn trainieren.

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr

 

Unser Gehirn ist in anpassbar. Wir können und sollten in jedem Alter dazulernen (Lebenslanges Lernen).

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Deshalb ist Lernen mit Bildern leichter als mit Text.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte und zugleich nichts – je nach Vorwissen, Kontext sowie den Fähigkeiten der Betrachter, das Bild richtig zu interpretieren. Lernen mit Bild und Text gemeinsam ist wirkungsvoller als nur mit Bildern oder nur mit Text .

Dieser Beitrag basiert auf Auszügen aus dem Buch „Lernmythen aufgedeckt: Wie wissenschaftliche Evidenz effektives Lernen und Praxistransfer im Unternehmen fördert“ von Dr. Yvonne Konstanze Behnke, erschienen im Mai?2025 bei Haufe.

Autor*in

  • Dr. Yvonne Konstanze Behnke, Learning-&-Development-Strategin, Consultant, Trainerin und Speakerin. Sie verbindet Forschung, Didaktik, Design und Praxis, u.a. zu evidenzbasiertem Lernen. 2025 erschien ihr Buch "Lernmythen aufgedeckt".

Stand: