Wie können Sie Lernmythen identifizieren?
Um Lernmythen zu erkennen, ist es hilfreich, unser Wissen über kognitive Fallstricke zu erweitern. Den Barnum-Effekt sowie den Confirmation Bias habe ich in der Dekonstruktion der Lerntypen beschrieben.
Darüber hinaus gilt auch hier die Faustregel: Klingt eine Methode oder ein Trend zu gut, um wahr zu sein, ist es meist auch so. Wirksame Methoden berücksichtigen Unterschiede in Lernthemen, Lernumgebungen, Lernvoraussetzungen, Rahmenbedingungen und individuellen Bedürfnissen unserer Lernenden. Deshalb gibt keine Patentlösung, die bei jedem Lernthema, in jeder Lernsituation und für alle Lernenden funktioniert
Statt kurzfristigen Moden, trendigen Buzzwords oder populären Lernweisheiten zu folgen, setzen Sie deshalb lieber auf evidenzbasierte Ansätze mit nachgewiesener Wirksamkeit.
Lernen und Lerntransfer sind komplexe Prozesse und kein einmaliger Event. Dieser Prozess braucht Zeit, gezieltes Üben, strukturiertes Wiederholen, anknüpfen an Vorwissen, Kontext, sinnvolle Anwendung und kontinuierliches, konstruktives Feedback, damit das Gelernte langfristig im Gedächtnis verankert wird und Lerntransfer stattfinden kann. Tiefes Lernen bedeutet eine aktive kognitive Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand.
Effektive Lehr- und Lernmethoden beruhen auf einer fundierten wissenschaftlichen Basis und werden durch empirische Daten und nicht nur auf Meinungen gestützt. Einfache Patentlösungen für komplexe Themen wie Lehren und Lernen funktionieren selten und sind in vielen Fällen sogar kontraproduktiv.
Wenn also behauptet wird, dass Sie nur dem universell gültigen 3-Schritte-Framework folgen müssen, um das perfekte Lernerlebnis zu gestalten, sollten Sie aufmerksam werden, denn dies ist ein Indikator für einen möglichen Lernmythos.
Die folgende Checkliste hilft Ihnen, Lernmythen zu identifizieren.
Lernmythen-Checkliste
- Wird ein komplexer Sachverhalt wie Lernen, das Gehirn oder Lerntransfer übermäßig vereinfacht dargestellt?
- Wird behauptet, dass eine Methode, ein Framework oder ein Tool universell für alle Lernenden, alle Lernthemen und alle Lernumgebungen funktioniert?
- Wird die Methode/das Framework mit plakativen Zahlen/Zahlenreihen oder simplen Formen wie Pyramiden beschrieben?
- Wird ein Einzelfall oder eine persönliche Erfahrung/Beobachtung auf ein gesamtes Konzept übertragen? Nach dem Motto: »Bei mir ist das so …«
- Wird ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang hergestellt, nur weil zwei Dinge gleichzeitig passieren, oder behauptet, dass dieselbe Ursache immer denselben Effekt hat?
- Werden die alten Griechen oder Konfuzius als Quelle zitiert?
- Gibt es wissenschaftlich fundierte, seriösen Belege für diese Behauptung?
Sind Frage eins bis sechs mit Ja, und Frage sieben mit Nein beantwortet, besteht Lernmythenverdacht!