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Umgang mit (vermeintlichen) Plagiaten in studentischen Texten

Thesen

  • Beim Thema Plagiate herrschen bei Studierenden (und Lehrenden) viel Unsicherheit und Angst, die das Lernen im Umgang mit wissenschaftlichen Texten beeinträchtigen können.
  • Ein Großteil von Plagiaten in studentischen Texten sind keine Täuschungsversuche, sondern Fehler.
  • Es ist deshalb in vielen Fällen sinnvoll, didaktisch zu reagieren und nicht disziplinarisch (oder zumindest beides zu verbinden).
  • Viele Fragen zum richtigen Umgang mit Fachliteratur stellen sich erst bei der Umsetzung der fachspezifischen Regeln beim Schreiben. Deshalb benötigen Studierende Anleitung und Rückmeldung auf ihre Texte in der Fachlehre.
  • Eine Vermittlung von Zitierregeln ausschließlich in propädeutischen Veranstaltungen oder über Selbstlernmaterialien z.B. in Moodlekursen ist nicht ausreichend.
  • Damit Studierende den Sinn von Zitierregeln verstehen, sollten diese im Zusammenhang mit den Werten guter wissenschaftlicher Praxis und der Diskursivität von Wissenschaft vermittelt werden.
  • Auch wenn textgenerierende Technologien (z.B. ChatGPT) eine immer größere Bedeutung für das wissenschaftliche Schreiben bekommen, bleiben die Autor*innen verantwortlich für ihre Texte und damit auch für die Kennzeichnung der Herkunft von Wissen.

 

Ziel des Beitrags

Das Thema Plagiat ruft in Lehre und Wissenschaft oft starke Emotionen hervor und ist durch die öffentlichen Plagiatsskandale aufgeladen: Empörung über Täuschungsversuche auf der einen Seite – Unsicherheit und diffuse Ängste, vielleicht unabsichtlich ein Plagiat zu begehen, auf der anderen. Beide Reaktionen sind verständlich. Sie sind jedoch keine gute Basis, um in der Lehre ein offenes und produktives Gespräch über den richtigen Umgang mit Fachliteratur in wissenschaftlichen Texten zu führen. Ich möchte deshalb in diesem Beitrag für einen anderen, einen didaktischen Blick auf das Thema Plagiate in studentischen Arbeiten werben; Nicht um das Thema zu bagatellisieren, sondern um es ganz im Gegenteil in der Fachlehre ernst zu nehmen. Studierende benötigen Anleitung, Zeit, Übung – und auch die Möglichkeit, Fehler zu machen – um zu lernen, warum die Zitierkonventionen wichtig für die Wissenschaften sind und wie sie diese Regeln sicher umsetzen können. Hierzu gehört auch eine konsequente Reaktion auf Fehler bzw. Regelverstöße in diesem Bereich.

Sie finden in diesem Beitrag Informationen über Plagiate und über die Lernprozesse, die notwendig sind, damit Studierende plagiatssicher arbeiten können, sowie didaktische Anregungen zum Thema. Dies soll Sie unterstützen, eine Haltung zu studentischen Plagiaten bzw. neutral formuliert zu nicht markierten textuellen Übereinstimmungen zu entwickeln und in konkreten Situationen zu entscheiden, wie Sie reagieren wollen.