Zitationskonventionen vermitteln: Plagiatsprävention in der Fachlehre

Studierende müssen im Laufe des Studiums lernen, konventionskonform mit Fachliteratur umzugehen. Weil die Konventionen eng mit den Denkweisen der verschiedenen Fächer verbunden sind und sich die meisten Fragen erst bei der konkreten Umsetzung im eigenen Text ergeben, sollte ihre Vermittlung nicht ausschließlich in vorgelagerten Tutorien stattfinden, sondern auch in die Fachveranstaltungen integriert werden. Beschränken Sie sich dabei nicht auf die Formalia beim Umgang mit Fachliteratur, sondern gehen Sie immer wieder auf die Hintergründe ein: die Diskursivität der Wissensproduktion in den Wissenschaften und die Prinzipien der guten wissenschaftlichen Praxis. Nur so können die Studierenden den Sinn hinter den Regeln begreifen und in Zweifelsfällen Entscheidungen treffen.

 

Aktivitäten in Lehrveranstaltungen

Mit folgenden Aktivitäten unterstützen Sie Ihre Studierenden dabei, die Kompetenzen aufzubauen, die für ein plagiatssicheres Arbeiten an der Universität benötigt werden:

  • Verdeutlichen Sie die Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis im Umgang mit Fachliteratur. Stichworte können hier sein: Fairness, Effizienz und Kooperativität der Wissensproduktion, Nachvollzielbarkeit und Nachprüfbarkeit, sowie die Herausstellung der eigenen Leistung/Position durch Abgrenzung vom Forschungsdiskurs.
  • Analysieren Sie gemeinsam mit Studierenden Fachtexte daraufhin, wie Literatur eingebunden und referenziert wird. Wie und wo werden die Quellen angegeben? Welche Formulierungen werden verwendet? Wie wird der Bezug zur eigenen Argumentation / den eigenen Ergebnissen hergestellt? Wie werden wörtliche Zitate eingeleitet und kommentiert? Stellen Sie dabei auch die Frage, welche Funktion der Bezug auf andere Texte jeweils hat. Sie können Fachtexte auch in diesem Sinne annotieren und den Studierenden zur Verfügung stellen.
  • Diskutieren Sie mit den Studierenden konkrete Entscheidungssituationen und Schwierigkeiten bei der Wiedergabe von Forschungsliteratur und erarbeiten Sie sprachliche und formale Möglichkeiten, wie der Ursprung von Gedanken/Informationen transparent markiert werden kann. So können Sie Studierende dabei unterstützen, in Zweifelsfällen (und für Lernende kann jede Einbindung von gelesener Literatur ein Zweifelsfall sein!) Entscheidungen zu treffen.
  • Geben Sie Studierenden vielfältige Möglichkeiten zum Üben; dies können auch kurze, unbenotete Schreibaufgaben sein (z.B. Textzusammenfassungen, Textkommentierungen, Vergleiche verschiedener wissenschaftlicher Positionen), auf die Sie möglichst Feedback geben. Nur durch Übung können Studierende Sicherheit im Formulieren erlangen.
  • Vermitteln Sie Lese- und Notizstrategien (für Anregungen vgl. z.B. Lange 2018), z.B. auch, indem Sie in Veranstaltungen erfragen, wie Studierende schwierige wissenschaftliche Texte lesen und bearbeiten, und indem Sie selbst exemplarisch vorführen, wie Sie selbst dabei vorgehen. Lese- und Notizstrategien sind die Grundlage, um später plagiatssicher schreiben zu können.

 

Studentische Arbeiten anleiten, betreuen und bewerten

Der Umgang mit Fachliteratur im eigenen Text wird für Studierende erst konkret, wenn sie selbst wissenschaftliche Texte im Studium schreiben. Auch hierbei können Sie vielfältig unterstützen, ohne in individuellen Sprechstunden jede Einzelfrage zu beantworten.

  • Stellen Sie Themen, für die Studierende Gelesenes in Bezug auf eine Fragestellung darstellen und in einen neuen Zusammenhang stellen müssen. So können sie lernen, eigene Ergebnisse in den Kontext des Forschungsdiskurses einzuordnen (auch wenn es nur im Rahmen eines kleinen Ausschnittes ist) und erleben so den Sinn der Zitierkonventionen.
  • Erstellen Sie möglichst eine Handreichung zu den Zitierregeln in Ihrem Fach mit Beispielen. Sinnvoll ist auch eine gemeinsame Handreichung des gesamten Fachbereichs/Lehrstuhls.
  • Geben Sie möglichst eine Zitierweise vor und und geben Sie den Studierenden damit etwas Sicherheit (es wird immer noch viel Unsicherheit bleiben).
  • Geben Sie, wenn möglich, Feedback auf eine Probeseite vor Abgabe der gesamten Arbeit. So können die Studierenden ihre Arbeitsweise überprüfen und wenn nötig anpassen.
  • Falls Sie eine Plagiatserkennungssoftware nutzen: Lassen Sie Studierende nicht mit einem Überprüfungsprotokoll allein, sondern interpretieren Sie gemeinsam den Output des Programms. Wichtig ist dabei, dass die Studierenden für sich nicht den Auftrag konstruieren, so zu schreiben, „dass die Software nichts mehr findet“, sondern die Fachkonventionen verstehen und lernen, sie umzusetzen.
  • Reagieren Sie auf jeden Fall auf unzureichend gekennzeichnete Übernahmen und machen Sie deutlich, was an ihnen nach den Konventionen des Faches nicht akzeptabel ist. Tun Sie dies auch und gerade dann, wenn Sie nicht von einer Betrugsabsicht, sondern von einem Fehler ausgehen. So verhindern Sie, dass Studierende zu einer falschen Sicherheit im Umgang mit Fachliteratur kommen. Wenn das möglich ist, bieten Sie die Möglichkeit zumindest zu einer exemplarischen Überarbeitung an.