Workshop-Reihe

Entwicklung

Wir möchten unsere Studierenden an (generative) KI im Allgemeinen und speziell auch an unsere Vorgaben zur Verwendung sowie die Nutzung von KI-Tools in einem im Kontext des Studiengangs relevanten Bereich heranführen. Deshalb haben wir einen im Rahmen des Moduls Industrielles Kunden- und Lieferantenmanagement bereits bestehenden Workshop zum Thema Angebotsanalyse und -erstellung zu einer dreiteiligen Workshop-Reihe weiterentwickelt. Das originäre Ziel, Studierende mit den Anforderungen an Angebotsdokumente im Vertrieb komplexer technischer Produkte auf Basis von VDI 4504, Blatt 2, vertraut zu machen, bleibt bestehen.

Im Fokus des ersten Workshops (1 x 90 Minuten) steht eine kompakte Einführung in die Grundlagen und Anwendungsfelder künstlicher Intelligenz. Ausgehend von der Definition des Begriffes „künstliche Intelligenz“ erläutern wir die verschiedenen Arten von KI-Systemen, um auf Basis eines gemeinsamen Grundverständnisses vermitteln zu können, wie generative KI-Systeme Inhalte erzeugen, welches Potenzial sie bieten und wo ihre Grenzen liegen. Darüber hinaus geben wir einen Überblick über KI-Tools für das wissenschaftliche Arbeiten und stellen in diesem Kontext die Vorgaben unseres Lehrstuhls zur Verwendung von KI-Tools vor.

KI-Tools für wissenschaftliches Arbeiten (Geyer 2025)

Als erste Arbeitsaufgabe haben wir die Schritt-für-Schritt-Anleitung „Von Null auf ChatGPT“ (Gimpel et al. 2023b) in den Workshop integriert, um unseren Studierenden die Möglichkeit zu geben, (erste) eigene Erfahrungen im Umgang mit einer generativen KI zu sammeln, und um abschließend gemeinsam u. a. darüber reflektieren zu können, bei welchen Aufgaben eine generative KI sinnvoll unterstützen kann und bei welchen sie an ihre Grenzen stößt.

Der zweite Workshop (1 x 90 Minuten) entspricht dem aus dem bisherigen Veranstaltungskonzept übernommenen Workshop, der weiterhin den zentralen Dreh- und Angelpunkt bildet und zwei Arbeitsphasen beinhaltet: Das Ziel der ersten Arbeitsphase besteht darin, die inhaltlichen und formalen Anforderungen an Angebotsdokumente im Vertrieb komplexer technischer Produkte auf Basis von VDI 4504, Blatt 2, in vier zufällig gebildeten Kleingruppen zu erarbeiten. Dabei wird jeder Gruppe ein spezifischer Bereich der Richtlinie zur Analyse vorgegeben.

Darauf aufbauend besteht das Ziel der zweiten Arbeitsphase darin, ein fiktives Angebotsdokument in Bezug auf die Einhaltung der zuvor erarbeiteten Anforderungen kritisch zu überprüfen und Verbesserungspotenziale aufzuzeigen. Die Ergebnisse der Arbeitsphasen (vgl. Abbildung 1) werden auf einem miro-Board dokumentiert und abschließend durch eine:n Gruppensprecher:in im Überblick präsentiert.

Abbildung 1: Ergebnisse der ersten Arbeitsphase im zweiten Workshop (eigene Darstellung)

Der dritte Workshop (2 x 90 Minuten) bildet den Abschluss der Reihe und führt die Inhalte der vorangegangenen Workshops konsequent zusammen. Denn nachdem sich unsere Studierenden zunächst mit den Grundlagen generativer KI vertraut gemacht und anschließend die Anforderungen an Angebotsdokumente erarbeitet haben, steht nun die eigenständige Erstellung eines Angebotsdokumentes im Mittelpunkt. Auf Basis einer Produktbeschreibung und einer fiktiven Ausschreibung eines potenziellen Kunden besteht die Aufgabe darin, in Kleingruppen– oder Einzelarbeit ein Angebotsdokument zu entwickeln, das die zuvor erarbeiteten inhaltlichen und formalen Anforderungen erfüllt. Dort, wo Informationen fehlen, sind sie angehalten, eigene Annahmen zu treffen und kreativ zu werden – oder auf generative KI-Tools zurückzugreifen.

Die Aufgabenstellung ist dabei bewusst knapp formuliert und enthält auch keine konkreten Bearbeitungshinweise, etwa zum möglichen Vorgehen. Diese Reduktion dient als didaktisches Mittel, um das Vorgehen der Studierenden selbst zum zentralen Lern- und Reflexionspunkt zu machen: Während einige möglicherweise alle verfügbaren Informationen unreflektiert in ein KI-Tool eingeben, erkennen andere, dass ein qualitativ überzeugendes Ergebnis nur dann entsteht, wenn sie die KI gezielt instruieren und mit den inhaltlichen sowie formalen Anforderungen vertraut machen.

Am Ende des Workshops steht deshalb weniger das fertige Angebotsdokument im Vordergrund als vielmehr der Vergleich der unterschiedlichen Herangehensweisen – und damit die Erkenntnis, dass KI zwar schnelle Ergebnisse liefern kann, diese jedoch ohne fachspezifisches (Kontext-) Wissen und ohne „Training“ oberflächlich bleiben oder sogar gänzlich unbrauchbar sind.

Erfahrungen und Implikationen

Die erstmalige Umsetzung der Workshop-Reihe im Wintersemester 2024/2025 hat wertvolle Einblicke geliefert – und zugleich Grenzen deutlich gemacht. Entgegen unserer Erwartung war zu beobachten, dass sich ein Großteil der Studierenden darauf beschränkte, sämtliche verfügbaren Informationen in ein KI-Tool einzugeben und die Ergebnisse in weiten Teilen ungeprüft zu übernehmen. Im Ergebnis bleibt zu konstatieren, dass die Potenziale der KI in Anbetracht der zur kreativen Spielerei geradezu einladenden Aufgabenstellung nicht ausgeschöpft wurden, vgl. Abbildung 2.

Abbildung 2: Deckblatt eines Angebotes (links: studentisches Ergebnis; rechts: erwartetes Ergebnis) (eigene Darstellung)

Rückblickend liegt dies aus unserer Sicht jedoch weniger an den Studierenden als vielmehr an den Rahmenbedingungen: Drei kompakte Workshops innerhalb eines Moduls, das eher am Ende des Bachelorstudiums verortet ist, bieten schlichtweg zu wenig Raum, um ein reflektiertes Verständnis für den Umgang mit KI aufzubauen; und die knapp formulierte Aufgabenstellung zum dritten Workshop wird auch dazu beigetragen haben, dass Studierende die KI eher unstrukturiert nutzten.

Lessons Learned

  • Geringe Kreativität der Ergebnisse: Die erarbeiteten Angebotsdokumente waren weniger kreativ, als aufgrund der Potenziale generativer KI erwartet.
  • Unreflektierte Nutzung von KI-Tools: Studierende gaben Informationen unstrukturiert in die KI ein, ohne diese mit Kontext- und Fachwissen „anzuleiten“.
  • Begrenzter Umfang der Workshops: Drei Workshops reichen nicht aus, um den reflektierten und souveränen Umgang mit KI nachhaltig zu fördern.